Auf Punktkariert reden wir über das Thema Bullet Journaling – wie das System eigentlich funktioniert, warum es so hilfreich ist, wie du deine Seiten im Bullet Journal gestalten kannst.

In diesem Artikel möchte ich davon aber erstmal etwas weggehen und stattdessen Journaling allgemein anschauen. Für mich ist das Bullet Journal nämlich nur eine Möglichkeit von vielen, wie man Journaling „praktizieren“ (mir fällt leider kein besseres Wort ein) kann.

Lass uns also mal einen Blick darauf werfen, was Journaling ganz generell überhaupt ist, was es mit Tagebuch schreiben zu tun hat (oder auch nicht) und wie das Bullet Journal da mit reinspielt.

Journaling vs. Tagebuch schreiben

Ich weiß nicht, wie es dir geht, aber Tagebuch schreiben verbinde ich irgendwie mit meinem 9-jährigen Ich, das gerade ein Tagebuch von den Wilden Hühnern zum Geburtstag bekommen hat und mehr oder weniger regelmäßig reinschreibt, was am Tag so passiert ist.

Man konnte das Tagebuch sogar abschließen und ich habe jeden Eintrag mit „Liebes Tagebuch…“ begonnen. (Hab’s geliebt, leider hat das Buch einen meiner zahlreichen Umzüge seitdem nicht überlebt – schade eigentlich)

Und genau das trifft Tagebuch schreiben aber eigentlich ziemlich gut: Der Fokus liegt auf Erlebnissen, es ist vor allem ein Wiedergeben von dem, was so passiert ist.

Journaling sieht im Gegensatz dazu etwas anders aus. Hierbei richtest du den Fokus auf dein Inneres, auf deine Gedanken und Gefühle. Was macht das, was du erlebst, mit dir? Wie fühlst du dich damit?

Im Englischen unterscheidet man da zum Beispiel auch zwischen „Diary“ (also dem Tagebuch) und „Journal“.

Warum ist Journaling so hilfreich?

Ich hatte zwar immer wieder gehört und gelesen, dass Journaling gut tut, und das in den letzten Jahren selber ab und zu mal ausprobiert – aber wirklich nur sehr selten und ohne richtigen Plan oder eine wirkliche Intention dahinter. Das hat sich 2020 geändert.

Dass es ein verrücktes Jahr ist, muss ich dir ja nicht erzählen, und auch nicht, dass fast alles komplett anders gelaufen ist, als eigentlich geplant (bei wem war das nicht so?).

Als ich im Sommer dann einen ziemlichen Tiefpunkt erreicht hatte, hat Journaling mir wahnsinnig geholfen, da wieder rauszukommen. Aber warum ist es so hilfreich, über die eigenen Gedanken, Gefühle und was sonst so in einem passiert zu schreiben?

Ganz wichtig erstmal: Du musst echt mit einem Stift auf Papier schreiben. Digital ist hier eher nicht angesagt.

Durch das Schreiben wird nämlich die linke, analytische Gehirnhälfte beschäftigt, sodass die rechte, kreative Gehirnhälfte mal wirklich zum Zug kommen kann. Und so kommen durch das Schreiben gerne mal Sachen zutage, auf die du beim reinen „drüber Nachdenken“ eher nicht gekommen wärst!

So habe ich es zumindest schon oft erlebt. Ich konnte durch diesen Prozess des Schreibens Gefühle, die ich hatte, wirklich benennen und dem Ganzen dann auch noch auf den Grund gehen und zum einen herausfinden, woher diese Gefühle kommen – und zum anderen aber vor allem auch, wie ich damit jetzt umgehen kann.

Das klingt so absurd und ich hätte es vermutlich auch wirklich nicht für möglich gehalten, wenn ich es nicht selbst nicht erlebt hätte. Aber es funktioniert tatsächlich.

Schreiben = Worte finden

Und dadurch entsteht dann halt wirklich persönliches Wachstum. Indem man mal genau hinschaut, das Unterbewusstsein arbeiten lässt und seine Gedanken und Gefühle echt in Worte fasst.

Das muss man nämlich nicht unbedingt, wenn man nur darüber nachdenkt – da bleibt es dann oft bei einem (vielleicht etwas undefinierbaren) Gefühl. Wenn du das aber wirklich zu Papier bringen möchtest, brauchst du dafür nun mal Worte.

Du kannst durch’s Journaling zu ganz neuen Erkenntnissen kommen, die gerade noch irgendwo tief in dir vergraben sind!

Wie genau funktioniert Journaling?

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, wie du das Thema Journaling angehen kannst. Ganz wichtig: Jede*r kann das, auch wenn du gerade vielleicht denkst, dass du nicht gut schreiben kannst – darum geht’s überhaupt nicht.

Wenn du eine E-Mail oder eine WhatsApp-Nachricht schreiben kannst, kannst du auch journaln (richtig schön eingedeutschtes Wort übrigens) :)

Was bei mir oft schon sehr hilft: Einfach mal Notizbuch und Stift schnappen und losschreiben! Nicht großartig drüber nachdenken, sondern ganz intuitiv alles rauslassen. Das mache ich besonders oft in Situationen, in denen mir alles zu viel wird (wie gesagt, 2020 lässt grüßen) und ich mich gefühlsmäßig mal wieder ordnen muss.

Vielleicht kennst du das Prinzip der Morning Pages, die genau so gedacht sind: Morgens erstmal alles rauslassen, bevor man in den Alltag startet!

Stell dir die richtigen Fragen

Du kannst Journaling aber auch etwas gezielter angehen und dir z.B. Fragen stellen, um das Ganze etwas zu lenken oder um einen bestimmten Bereich anzugehen. Die Fragen geben dir dann einen ersten Impuls, eine Richtung, und du kannst schauen, was dabei rauskommt.

Für mich gehört z.B. meine regelmäßige Reflexion auch zum Journaling! Im Endeffekt mache ich da ja genau das: Ich stelle mir Fragen und beantworte sie dann schriftlich.

Hier ein paar Ideen bzw. Fragen für erste Journaling-„Übungen“:

  • Wofür bin ich heute dankbar?
  • Was ist heute richtig gut gelaufen? Was nicht? Wie habe ich mich dabei gefühlt? Was habe ich gelernt?
  • Morning Pages: Morgens als allererstes schreiben, mind. 3 Seiten – egal was!

Es gibt hierbei auch absolut kein richtig oder falsch. Niemand liest, was du schreibst, du machst das nur für dich. Vielleicht funktioniert für dich ein anderer Ansatz besser, und du journalst lieber abends statt morgens – ist im Prinzip völlig egal! Hauptsache, du schreibst.

In einem extra Artikel findest du weitere 55 Journaling Fragen!

Wie kommt das Bullet Journal hier ins Spiel?

Kann man Journaling allgemein jetzt mit dem Bullet Journal verknüpfen oder steht beides für sich?

Das kannst du grundsätzlich machen wie du möchtest: Du kannst dein Bullet Journal wirklich fürs Journaling nutzen, also einfach immer die nächste freie Seite nehmen und losschreiben.

Oder du nimmst dafür ein extra Notizbuch, das wirklich nur dafür gedacht ist – oder eine Mischung aus beidem!

So mache ich es zum Beispiel: Manche Sachen kommen in mein Bullet Journal, wie meine Reflexion am Wochen- oder Monatsende, die ich gerade schon angesprochen habe.

Wenn ich aber das Gefühl habe, ich versinke gerade zu sehr in meinen Gedanken oder irgendwas blockiert mich, dann nehme ich mir gerne ein anderes Notizbuch, um einfach mal drauflos zu schreiben.

Auch hier kannst du einfach mal ausprobieren, was dir besser gefällt!

„Fertige“ Journals zum Ausfüllen

Journaling ist grundsätzlich etwas sehr freies. Du kannst dir aussuchen, ob du dich von bestimmten Fragen oder Impulsen leiten lassen möchtest, ob du einfach drauflos schreibst, und du kannst das natürlich jeden Tag, jede Woche auf’s Neue entscheiden.

Falls dir das aber vielleicht zu frei ist und du lieber etwas mehr durchgeleitet werden möchtest (was gerade zum Start hilfreich sein kann), schau dir doch vielleicht mal die Journals an, die genau dafür gemacht wurden.

Hier hast du die Fragen und Impulse schon für jeden Tag vorgegeben, und kannst dann einfach entsprechend alles ausfüllen

Es gibt da verschiedene Varianten, besonders beliebt ist das 5 Minute Journal (die deutsche Variante heißt 6-Minuten-Tagebuch) oder das Klarheit Journal. Beide sind vor allem als Dankbarkeitsjournals gedacht.

6-Minuten-Tagebuch

Mit dem 6-Minuten-Tagebuch stellst du dir morgens und abends jeweils 3 Fragen, z.B. wofür du dankbar bist, was du machen kannst um den Tag schön zu gestalten oder was du Gutes für jemanden getan hast. Am Ende jeder Woche gibt es eine Reflexion. Auch ein kleiner Habit Tracker ist integriert.

Für den Einstieg finde ich das wie gesagt super, auch, um eine gewisse Journaling-Routine aufzubauen. Da sich die Fragen aber jeden Tag genauso wiederholen, wurde es mir irgendwann zu einseitig.

Mittlerweile gibt es vom Herausgeber UrBestSelf auch eine „Fortsetzung“, die nochmal etwas andere Inhalte hat und das etwas erweitert!

Klarheit Journal

Auch das Klarheit Journal ist in morgens und abends unterteilt. Hier sind die Fragen bzw. Impulse nicht jeden Tag genau gleich, was mir gut gefällt – und zusätzlich gibt es zwischendurch auch einfach mal freie Seiten zur Reflexion.

Morgens und abends gibt es jeweils 3 Fragen, z.B. worauf du dich am Tag freust, was dein Fokus sein wird, wofür du dankbar bist, was gut gelaufen ist oder dir leicht gefallen ist. Und wie gesagt, die Fragen wechseln sich ab!

Journaling lohnt sich so sehr – probier es einfach mal aus!

Ich habe selber mal einige Zeit lang das 5 Minute Journal genutzt, und zum Einstieg fand ich es auch sehr hilfreich. Nach einer gewissen Zeit wurde mir das dann aber doch etwas zu eintönig, deswegen bin ich dazu übergegangen, komplett frei zu journaln.

Ich kann dir nur empfehlen, dir heute Abend oder morgen früh oder am nächsten Wochenende oder wann immer es dir passt einfach mal eine halbe Stunde zu nehmen und loszuschreiben. Das kann wirklich eine therapeutische Wirkung haben!

Teil deine Erfahrungen mit Journaling gerne in den Kommentaren, ich würde mich sehr freuen, von dir zu lesen. Und wenn du noch mehr mögliche Fragen oder Ideen fürs Journaling haben möchtest, lass mich das auch gerne wissen! :)

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