Jahresrückblick: 40 Fragen, mit denen du dein Jahr in Ruhe abschließt

Was war, was bleibt, was kommt: 40 Fragen für deinen Jahresrückblick und ein ruhiger Ablauf, wie du ihn in deinem Journal machst.

Zwischen Weihnachten und Silvester gibt es diese paar Tage, an denen die Zeit einfach anders läuft. Keiner weiß so genau, welcher Wochentag gerade ist, im Kühlschrank stehen noch die Reste vom Weihnachtsessen, und im Kopf spult sich schon leise das ganze Jahr zurück.

Genau in diesen Tagen mache ich immer meinen Jahresrückblick.

Dann setze ich mich mit dem Journal vom ablaufenden Jahr aufs Sofa und fange ganz vorne an zu blättern. Und jedes Mal bin ich überrascht, was im Januar alles los war, das ich im Dezember so gar nicht mehr auf dem Schirm hab.

Ich bin mir sicher, du kennst das Gefühl: Ein Jahr fühlt sich immer gleichzeitig ewig lang an und ist trotzdem plötzlich schon wieder vorbei. 😅 Ein Rückblick sortiert das ein bisschen.

Welche Fragen gehören in einen Jahresrückblick?

In einen Jahresrückblick gehören ganz grob Fragen in 3 Richtungen:

  • zurück auf das, was passiert ist
  • nach innen auf das, was du über dich gelernt hast
  • und nach vorn auf das, was du dir fürs neue Jahr wünschst.

Die schönsten Momente und die Dankbarkeit haben darin ganz genauso Platz wie ein ehrlicher Blick auf das, was vielleicht nicht ganz so gut gelaufen ist oder was schwer war!

Wie viele Fragen du davon beantwortest, entscheidest du. Manche Jahre brauchen 5 Fragen, andere füllen locker 10 Seiten oder mehr.

Warum sich ein Jahresrückblick lohnt (auch – oder gerade – nach einem schweren Jahr)

Ein Jahr ist soo lang (auch, wenn es uns manchmal nicht so vorkommt). Was im März passiert ist, liegt im Dezember schon wieder unter vielen Monaten Alltag begraben. Ohne Rückblick bleibt am Ende oft nur das Gefühl der letzten Wochen hängen, und das ist im Dezember bei den meisten von uns: müde. 🤷🏼‍♀️

Wenn du dir einmal bewusst Zeit nimmst und zurückschaust, bekommt das Jahr seine richtige Größe zurück.

Und gerade nach einem schweren Jahr lohnt sich das, auch wenn es sich erst mal komisch anfühlt. Du musst nichts schönreden. Zwischen den schweren Wochen liegen aber oft auch viele kleine gute Momente, die sonst einfach verloren gehen würden. Und das Schwere bekommt einen Platz auf dem Papier, statt weiter unsortiert in deinem Kopf herumzuliegen – das kann super erleichternd sein.

Falls du lieber öfter zurückschauen magst als nur einmal im Jahr: Meine Reflexionsfragen für jeden Rhythmus, von täglich bis zum Geburtstag, hab ich in einem eigenen Artikel gesammelt.

So erstellst du deinen Jahresrückblick im Journal

Einen festen Ablauf brauchst du dafür nicht, aber ein grober roter Faden hilft beim Anfangen. So kannst du vorgehen:

  1. Nimm dir 1 bis 2 Stunden Ruhe. Die Tage zwischen den Jahren bieten sich an, ein ruhiger Abend im Laufe des Dezembers geht natürlich genauso. Ich versuche immer, es vor dem Jahreswechsel zu schaffen, das fühlt sich für mich sonst einfach anders an. Das Handy darf so lange im anderen Zimmer liegen (außer du brauchst es für Schritt 2).
  2. Leg dir dein Material zurecht. Dein Journal vom ablaufenden Jahr, dein Kalender (auch der digitale) und die Fotos auf deinem Handy. Dazu eine freie Seite für deinen Rückblick.
  3. Blätter Monat für Monat durch. Fang beim Januar an und notiere zu jedem Monat ein paar Stichpunkte: Was ist passiert, was hast du gemacht, wie ging es dir? Wenn du jeden Monat eine monatliche Review schreibst, ist dieser Schritt fast schon erledigt.
  4. Such dir Fragen aus. Du musst natürlich nicht alle 40 beantworten, die du hier im Artikel findest. Nimm die, bei denen sofort etwas in dir anspringt, und überspring den Rest ohne schlechtes Gewissen.
  5. Schreib, ohne zu sortieren. Frage oben hin, Antwort drunter. Stichpunkte reichen völlig, ganze Sätze dürfen aber auch sein – wenn’s fließt, umso besser 🙂
  6. Hör mit einem Wort oder einem Satz fürs neue Jahr auf. Damit schließt du das alte Jahr ab und hast schon eine kleine Brücke ins nächste.

Wenn dir das am Stück zu viel ist (das kann sich nämlich durchaus ziehen), verteil es auf 2 Abende: einen fürs Zurückschauen, einen für den Blick nach vorn.

40 Fragen für deinen Jahresrückblick

Die Fragen sind in 6 Gruppen sortiert, ungefähr in der Reihenfolge, in der du sie durchgehen kannst: erst erinnern, dann das Gute und das Schwere, dann das, was du gelernt hast und wer dabei war. Die letzte Gruppe schaut nach vorn.

Erinnern: dein Jahr Monat für Monat

Diese Fragen helfen dir beim Sammeln, bevor du anfängst zu bewerten. Dein Kalender und deine Fotos sind hier die besten Gedächtnisstützen.

  1. Welches Bild taucht als Erstes auf, wenn du an den Januar denkst? Und an den Februar?
  2. Welcher Monat ist einfach an dir vorbeigerauscht?
  3. Welcher Monat hat sich am längsten angefühlt?
  4. An welchen Orten warst du dieses Jahr (auch an den vermeintlich unspektakulären)?
  5. Was steht in deinem Kalender, das du schon fast vergessen hattest?
  6. Wie sah ein ganz normaler Dienstag in diesem Jahr bei dir aus?
  7. Welcher Tag wäre heute noch einen eigenen Eintrag wert, obwohl du damals nichts aufgeschrieben hast?

Was gut war

Hier darfst du ruhig großzügig sein. Auch kleine Sachen zählen.

  1. Was war dein schönster Tag in diesem Jahr, und was hast du an diesem Tag gemacht?
  2. Worauf hast du dich dieses Jahr am meisten gefreut, und wie war es dann wirklich?
  3. Welche Sorge vom Jahresanfang hat sich in Luft aufgelöst?
  4. Was hast du dir dieses Jahr gegönnt, das sich richtig gut angefühlt hat?
  5. Welche kleine Gewohnheit hat deinen Alltag leichter gemacht?
  6. Welche 3 Momente würdest du sofort noch einmal erleben?
  7. Was hast du gekauft, angefangen oder ausprobiert, das sich als Volltreffer herausgestellt hat?

Wenn dir diese Gruppe guttut, muss sie nicht bis Dezember warten. Wie so ein Dankbarkeitstagebuch im Alltag aussehen kann, zeige ich dir mit Beispielen in einem eigenen Artikel.

Was schwer war

Diese Gruppe darfst du auch überspringen, wenn sie gerade zu viel ist. Schreib nur so viel, wie sich gut anfühlt.

  1. Was hat dich dieses Jahr mehr Kraft gekostet, als von außen zu sehen war?
  2. Wann hättest du dir mehr Unterstützung gewünscht?
  3. Was hat dich durch die schweren Wochen getragen?
  4. Welche Enttäuschung braucht noch ein paar Zeilen, bevor du sie ablegen kannst?
  5. Wo warst du strenger mit dir, als du es mit einer Freundin gewesen wärst?
  6. Was darfst du mit dem alten Jahr einfach abschließen?

Was du gelernt hast

Gelernt hast du dieses Jahr wahrscheinlich mehr, als dir gerade einfällt.

  1. Was weißt du jetzt über dich, das dich selbst überrascht hat?
  2. Bei welchem Thema hast du dieses Jahr deine Meinung geändert?
  3. Was hast du dir selbst beigebracht (ob Sauerteig oder Steuererklärung)?
  4. Wann hast du dieses Jahr Nein gesagt, und wie ging es dir danach?
  5. Woran hast du gemerkt, was dir guttut und was nicht?
  6. Welchen Satz aus diesem Jahr möchtest du dir vorne ins neue Journal schreiben?

Menschen und kleine Momente

Die Menschen und die leisen Augenblicke zwischen den großen Ereignissen vergisst du am schnellsten. Deshalb bekommen sie hier eine eigene Gruppe.

  1. Wer war dieses Jahr einfach da, ohne dass du fragen musstest?
  2. Wen hast du neu kennengelernt, und was magst du an diesem Menschen?
  3. Mit wem hast du am meisten Zeit verbracht, und wie fühlst du dich nach euren Treffen?
  4. Welcher kleine Moment ist dir hängen geblieben, obwohl eigentlich nichts Besonderes passiert ist?
  5. Welches Gespräch geht dir bis heute nach?
  6. Wem hast du dieses Jahr eine Freude gemacht?

Aufbruch: Fragen für dein neues Jahr

Bei dieser Gruppe sind mir Wünsche lieber als Vorsätze. Ein Vorsatz hat schon am 3. Januar das schlechte Gewissen eingebaut, ein Wunsch darf sich in Ruhe entwickeln.

  1. Was möchtest du aus diesem Jahr unbedingt mitnehmen?
  2. Was möchtest du im neuen Jahr ausprobieren, einfach aus Neugier?
  3. Wie soll sich dein neues Jahr anfühlen?
  4. Welches Wort könnte über deinem neuen Jahr stehen?
  5. Worauf freust du dich jetzt schon?
  6. Was möchtest du öfter machen, nur weil es dir Spaß macht?
  7. Welcher Bereich deines Lebens hat im neuen Jahr mehr Aufmerksamkeit verdient?
  8. Welchen kleinen Wunsch kannst du dir schon im Januar erfüllen?

Wenn du deine Wünsche nach Lebensbereichen sortieren magst, passt die Methode Level 10 Life gut dazu. Und sobald die ersten Termine fürs neue Jahr feststehen, wandern sie in deine Jahresübersicht.

Du schreibst lieber am Handy oder Laptop? Dann nimm den Jahresrückblick zum Ausfüllen: Dort gehst du die Fragen Kapitel für Kapitel durch und sicherst am Ende alles als PDF, das du ausdrucken und in dein Journal kleben kannst. Deine Antworten bleiben dabei auf deinem Gerät.

Jahresrückblick gestalten: 4 Ideen für deine Seiten

Die einfachste Form ist auch die schönste: Frage als Überschrift, Platz darunter, fertig. Mehr braucht dein Jahresrückblick nicht.

Aufgeschlagenes Notizbuch mit einer Doppelseite zum Rückblick, oben die Überschriften 1. Halbjahr 2018 und Review, darunter Fragen in eckigen Klammern wie Was habe ich gelernt und Kurzer Ausblick, daneben 2 Stifte

Wenn du aber Lust hast, ein bisschen mehr daraus zu machen, passen diese 4 Ideen gut zum Jahresende.

12 Monate, 12 Highlights

Eine Seite, 12 Zeilen, pro Monat ein Highlight. Das zwingt dich, dich zu entscheiden, und ergibt am Ende eine sehr schöne, kompakte Übersicht über dein Jahr.

Aufgeschlagenes Bullet Journal, rechts eine Seite mit dem Titel monthly Highlight und den Monaten Januar bis Juni untereinander, links ein Tracker mit der Überschrift Wann habe ich

(Auf dem Foto siehst du Theresas Variante für das erste Halbjahr.)

Kleiner Tipp: So eine Seite kannst du auch schon im Januar anlegen und jeden Monat einen Eintrag ergänzen. Dann ist dein Rückblick im Dezember halb geschrieben.

Dein Jahr in Zahlen

Wie viele Bücher hast du gelesen, wie viele neue Rezepte ausprobiert, wie viele Konzerte besucht? Zähl nur, was dir Spaß macht. Wenn du Tracker geführt hast, steht vieles davon schon in deinem Journal (wie oft der Wecker auf Schlummern stand, musst du aber nicht unbedingt wissen wollen 🙃).

Deine Bestenlisten

Deine 5 liebsten Bücher, die Orte, an denen du am liebsten warst, das Lied, das du in Dauerschleife gehört hast, das beste Essen des Jahres. Solche Listen gehen schnell, und in ein paar Jahren liest du sie mit einem Grinsen wieder.

Ein Wort für das alte und eins für das neue Jahr

Fass das vergangene Jahr in einem einzigen Wort zusammen und such dir eins aus, das über dem neuen stehen soll. Das Wort darf groß und schön auf die Seite, gern auch gelettert. Es ist eine kleine Erinnerung, die du im Laufe des Jahres immer wieder aufschlagen kannst.

Dein Jahr muss nicht gut gewesen sein

Manche Jahre sind voller Highlights, andere bestehen vor allem aus Durchhalten. Beide verdienen ein paar Seiten in deinem Journal! Ein Jahresrückblick ist keine Bilanz, die am Ende aufgehen muss :)

Was du am Ende in der Hand hast, ist einfach dein Jahr – mit den guten Tagen, den schweren und den vielen ganz normalen Dienstagen dazwischen.

Wenn du beim Aussuchen der Jahresrückblick-Fragen lieber dem Zufall vertraust: Im Journaling-Fragen-Set stecken 135 Fragen als Karten zum Ausdrucken. 2 Gruppen davon passen besonders gut in die Tage zwischen den Jahren, nämlich “Rückblick” und “Aufbruch”. Misch sie und zieh dir jeden Abend eine Karte.

Und falls du danach direkt mit dem neuen Journal loslegen willst: In der Punktkariert Bibliothek liegen kostenlose Vorlagen zum Ausdrucken bereit.

Leg dir dein altes Journal zurecht und fang beim Januar an :) Happy Journaling!