Bullet Journal Jahresübersicht: 5 Formate für deine Jahresplanung
Wohin mit Terminen, die Monate entfernt sind? Die Bullet Journal Jahresübersicht in 5 Formaten: klassischer Future Log, Alastair-Methode und mehr.
Die Hochzeitseinladung liegt jetzt schon seit 2 Wochen auf meinem Schreibtisch: im Juni, irgendein Gut auf dem Land, Anreise am Tag davor. Daneben die Karte vom Zahnarzt, freundlich vorausgefüllt mit dem Kontrolltermin in 4 Monaten.
Und mein Bullet Journal? Zeigt den laufenden Monat und dahinter nur leere Seiten. Eine Bullet Journal Jahresübersicht hab ich mir beim Anlegen nämlich gespart, weil ich dachte, die brauch ich eh nicht. 🙃
Genau da hakt es bei so ziemlich allen, die sich ihren Kalender selbst bauen. Im gekauften Kalender blätterst du nach vorne und trägst den Termin ein. Im Bullet Journal existiert die Juni-Seite aber noch gar nicht, weil du deine Monatsübersichten ja immer erst anlegst, wenn der Monat ansteht.
Wohin also mit dem Termin? In die Jahresübersicht aka den Future Log! Erst mit ihr funktioniert ein selbstgebauter Kalender, der ohne vorgedruckte Seiten auskommt.
Was ist die Jahresübersicht im Bullet Journal?
Die Jahresübersicht ist die eine Seite, auf der du alle Termine sammelst, die weiter weg liegen als der aktuelle Monat. Im klassischen Bullet Journal heißt sie Future Log. Ihr Job ist ganz simpel: Sie parkt deine Termine, bis es die passende Monatsseite gibt. Mehr muss sie auch gar nicht können (alles, was du ihr zusätzlich aufhalst, macht sie meistens nur unübersichtlich).
Rein kommt alles, was sich lange vorher ankündigt, zum Beispiel:
- Geburtstage und Jahrestage
- Arzttermine, die du Monate im Voraus bekommst
- Urlaub, Feiertage, Brückentage
- Hochzeiten, Konzerte, Familienfeiern
- Deadlines und Abgaben, die noch weiter weg sind
Jahresübersicht, Zukunftsplanung, Future Log: Die Begriffe meinen alle dasselbe Modul aus dem klassischen Bullet Journal System, mal mit deutschem, mal mit englischem Namen. Ich wechsle hier munter zwischen ihnen hin und her, weil sie dir draußen auch ständig gemischt begegnen.
Einen kleinen Unterschied gibt’s dann doch, und zwar bei der Länge. Der Future Log deckt im Original erst mal die nächsten Monate ab, meistens 6. Wer von einer Jahresübersicht spricht, meint dagegen oft gleich alle 12 Monate auf einer Doppelseite. Wie weit du nach vorne schaust, entscheidest du selbst, je nachdem wie weit im Voraus du eben so planst – das Prinzip dahinter ist dasselbe.
Und dann gehört noch eine kleine Gewohnheit dazu, ohne die das Ganze nicht funktioniert: Beim Monatswechsel schaust du in die Jahresübersicht und holst dir raus, was im neuen Monat ansteht (mehr dazu weiter unten).
Der klassische Future Log: Termine in Listenform
Das ist die Urform, so wie Bullet-Journal-Erfinder Ryder Carroll sie sich ausgedacht hat. Du teilst eine Doppelseite mit ein paar Strichen in gleich große Felder, schreibst über jedes Feld einen Monatsnamen und listest darunter deine Termine auf: Datum links, Ereignis rechts daneben.
Wie viele Monate du auf eine Doppelseite packst, ist wie gesagt deine Sache. 6 Felder sind der Standard, bei vielen Terminen nimmst du lieber 4. Für 12 Monate brauchst du deshalb meistens 2 Doppelseiten hintereinander (außer du hast wirklich wenige Termine, dann passt das ganze Jahr auch auf eine, aber ich würd’s dir so eher nicht empfehlen).
Der große Vorteil: Das Ganze ist super schnell gemacht. 4 Striche, 6 Monatsnamen, fertig! Ein Lineal-Kunstwerk oder eine Vorlage brauchst du dafür nicht, und pro Monat bleibt dir ordentlich Platz zum Schreiben.
Die Seite kommt normalerweise ganz nach vorne ins Journal, direkt hinter den Index. Trag sie da gerne auch gleich ein.
Der Haken an der Sache: Chronologisch bleibt die Liste nur, solange du deine Termine zufällig in der richtigen Reihenfolge erfährst. Trägst du im März noch was für den 3. Juni nach, steht das eben unter dem 20. Juni. Und Wochentage siehst du auch nicht, für “ist der 14. eigentlich ein Samstag?” musst du dann doch wieder ans Handy.
Das Format passt also vor allem dann gut zu dir, wenn du nicht allzu viele Termine hast, schlichte Seiten magst und keine Lust hast, erst mal groß rumzukonstruieren. Gerade zum Anfangen ist es die entspannteste Variante, hier kann kaum was schiefgehen.
Ist dein Kalender dagegen prall gefüllt, mit vielen Terminen im Monat die du im Voraus planst, wird’s in den Feldern schnell eng.
Die Alastair-Methode: eine Spalte pro Monat
Diese Variante stammt von Alastair Johnston, und ihr verdanken viele Bullet Journals, dass ihnen das ganze Jahr über nicht der Platz ausgeht. So funktioniert sie: Am linken Seitenrand ziehst du für jeden Monat eine schmale Spalte. Jeder neue Termin bekommt rechts daneben seine eigene Zeile, und in der Spalte vom passenden Monat setzt du einen Punkt.
Beim Monatswechsel gehst du dann nur diese eine Spalte von oben nach unten durch und überträgst alles mit Punkt in deine neue Monatsübersicht. Du musst nie wieder die ganze Seite durchsuchen, und Platz hast du auch immer genug, weil du einfach weiter nach unten schreibst. Der Nachteil: Deine Termine stehen kreuz und quer durcheinander (wer chronologische Listen liebt, wird hier vermutlich ein bisschen nervös).
Wenn du’s genauer wissen willst: In meinem älteren Artikel dazu, wie du den Future Log gestaltest, erkläre ich die Methode ausführlich.
Kalender-Layout mit Mini-Monaten: das Jahr zum Sehen
Bei diesem Layout zeichnest du 12 kleine Monatskalender auf eine Doppelseite, jeden mit seinen Wochentagen und Zahlen. Deine Termine markierst du direkt im Kalender, mit einem Punkt am Tag oder mit Farbe, und daneben oder darunter ist noch Platz für ein Stichwort.
Das Schöne daran: Du siehst die Wochentage, kannst ganze Urlaubswochen am Stück einfärben und erkennst sofort, dass dein Mai 3 Feiertage hat. Alles, was sich über mehrere Tage zieht, siehst du hier am klarsten.
Dafür kostet dich das Layout Platz und Zeit. 12 Mini-Kalender vorzuzeichnen, ist durchaus Arbeit, und für Details bleibt kaum Schreibfläche übrig. Wenn du dich dann noch beim Abzählen der Tage verhaust, ist das erst mal ärgerlich (aber dann klebst du halt ein Stück Washi Tape drüber und zeichnest den Monat neu).
Am liebsten mag ich die Mischung: oben die Mini-Kalender zum Draufschauen, darunter eine kurze Liste zum Reinschreiben. Im Kalender markierst du dann nur, dass etwas ist, und in der Liste steht, was. Wie das fertig gestaltet aussehen kann, zeig ich dir in den Future-Log-Ideen mit Beispielbildern.
Timeline und Calendex: das Jahr als durchgehender Strang
Diese zwei Formate siehst du seltener, für manche Köpfe sind sie aber genau das Richtige. Vielleicht ja auch für deinen?
Die Timeline
Für die Timeline ziehst du eine Linie über die Doppelseite (waagerecht oder im Zickzack), setzt 12 Markierungen für die Monate und hängst deine Termine als kleine Abzweigungen dran. Große Brocken wie einen Umzug, den Urlaub oder ein Projekt zeichnest du als Balken, der sich über mehrere Monate zieht.
Für Vorhaben, die eine Weile dauern, funktioniert das wunderbar, für Zahnarzttermine eher so mittel. Besteht dein Jahr eher aus 5 großen Sachen als aus 50 kleinen? Dann probier’s mal aus!
Der Calendex: die vertikale Tabelle
Der Calendex stammt von Eddy Hope, und der Name verrät’s schon: Er ist eine Kombination aus Kalender und Index. Ins Kästchen schreibst du nur die Seitenzahl, auf der der Termin ausführlich steht, und so wird die Seite zum Register für dein ganzes Journal.
Die Tabelle dahinter ist schnell erklärt: Die Monate stehen als schmale Spalten nebeneinander, und links am Rand laufen die Tage von 1 bis 31 als Zeilen runter. So bekommt jeder Tag sein eigenes Kästchen.
Das Ganze ist chronologisch exakt und sehr kompakt, und leere Wochen springen dir sofort ins Auge. Für mehrere Termine am selben Tag wird’s allerdings zu knapp. Außerdem musst du beim Calendex mehr um die Ecke denken als bei einer schlichten Liste.
Kannst du mitten im Jahr mit der Jahresübersicht anfangen?
Ja, klar! Das ist sogar der Normalfall, denn die wenigsten starten immer nur im Januar in ein neues Bullet Journal. Du legst die Seite einfach für die nächsten 6 oder 12 Monate ab heute an (nicht ab Januar) und trägst ein, was du schon weißt.
Deiner Seite ist das Kalenderjahr ja herzlich egal :) Fängst du im August an, schreibst du halt September bis Januar drüber und legst im Februar die nächste Doppelseite an. Und das gilt genauso, wenn du mittendrin das Format wechseln möchtest! Bis zum 1. Januar warten musst du dafür nicht.
Braucht es zusätzlich einen digitalen Kalender?
Bei mir läuft beides parallel. Alle Termine, die auch andere Menschen betreffen, stehen in meinem Handy-Kalender, den ich mit meinem Mann teile. Sonst müssten wir ja jeden Abend abgleichen, wer wann wo ist.
Alles doppelt zu pflegen, hält aber auf Dauer kaum jemand durch (ich hab’s lange genug versucht 🤷🏼♀️). Entscheide dich deshalb lieber für eine Richtung: Entweder ist dein Handy der Chef, und die Jahresübersicht auf Papier sammelt nur die festen Sachen wie Geburtstage und Urlaube. Oder das Papier hat das Sagen, und digital stellst du dir höchstens Erinnerungen für Termine mit Uhrzeit.
Welche Bullet Journal Jahresübersicht passt zu dir?
Am besten gehst du bei dieser Frage von deinem Alltag aus. Die schönste Seite, die du irgendwo gesehen hast, hilft dir bei der Entscheidung leider wenig.
Viele Termine, ständig neue? Dann bist du mit der Alastair-Methode gut beraten, weil dir da als einzigem Format nie der Platz ausgeht.
Hast du eher wenige, dafür wichtige Termine, reicht dir der klassische Future Log mit 6 Feldern völlig. Der ist schnell angelegt und angenehm ruhig fürs Auge. Wenn das halbe Jahr rum ist, legst du die nächsten 6 Monate an, und bis dahin weißt du längst, was du brauchst.
Du denkst in Bildern und willst ständig wissen, ob der 14. ein Samstag ist? Dann nimm das Kalender-Layout mit Mini-Monaten, am besten zusammen mit einer kleinen Liste. Und geht es bei dir eher um ein paar große Vorhaben als um 50 Einzeltermine, bist du mit der Timeline besser dran.
Brauchst du eine Vorlage dafür?
Nicht zwingend. Ein Lineal und die Monatsnamen reichen, und genau darum geht’s ja bei einem selbstgebauten Kalender: Du hast keine vorgedruckten Seiten, die dann doch nicht zu dir passen.
Ein fertiges Raster zum Danebenlegen oder Einkleben spart dir aber schon mal die halbe Konstruktionsarbeit. Welche Seiten sich als kostenlose Bullet-Journal-Vorlagen lohnen, hab ich dir an anderer Stelle zusammengestellt. Und eine fertige Jahresübersicht als PDF findest du in meiner kostenlosen Bibliothek, zusammen mit den anderen Seiten, die ich selbst benutze.
Nimm sie gern als Startpunkt und zeichne die nächste dann frei. Nach einer Runde weißt du meistens ziemlich genau, wie viele Felder du brauchst :)
Halte sie kleiner, als du denkst
Meine erste Jahresübersicht war eine Doppelseite mit 12 Mini-Kalendern, Farbcode und Legende. Benutzt hab ich davon am Ende ungefähr 4 Kästchen. 😅
Seitdem lege ich lieber weniger an. Für die meisten Leben reichen 6 Monate völlig, und du steckst keine Arbeit in Seiten, die du am Ende vielleicht nie füllst. Wie’s danach weitergeht, entscheidest du dann in einem halben Jahr.
Außerdem kommt bei mir nur rein, was ich sonst vergessen würde. Den wöchentlichen Sportkurs hab ich eh im Kopf, der steht also nicht drin, den Zahnarzttermin in 4 Monaten dagegen schon.
Und dann gibt’s da noch die eine Routine, an der alles hängt: Bevor du deine neue Monatsübersicht anlegst, schlägst du die Jahresübersicht auf. Erst übertragen, dann gestalten! Das dauert 2 Minuten, und ohne diesen Schritt wird aus deiner Jahresübersicht ganz schnell eine hübsche Seite, die keiner mehr anschaut. Wie meine Monatsseiten danach aussehen, siehst du in der Inspiration für die Monatsübersicht.
Ach ja, und Bleistift ist keine Schande! Du kannst Spalten und Kalender gerne erstmal dünn vorzeichnen, wenn du dir unsicher bist.
Dein Jahr passt auf eine Doppelseite
Mehr braucht es nicht: ein paar Striche mit dem Lineal, und deine Termine haben endlich ihren festen Platz. Festlegen musst du dich dabei übrigens auch nicht für immer.
Merkst du im April, dass dir die Listenform zu unsortiert ist, legst du auf der nächsten freien Seite eine Alastair-Tabelle an und ziehst deine Termine um. Das dauert vielleicht 15 Minuten, und niemand kriegt’s mit :)
Falls du gerade erst anfängst und dir das alles nach ziemlich viel Struktur klingt: Es ist weniger, als es aussieht, versprochen! Wie du dein Bullet Journal startest, hab ich dir separat aufgeschrieben. Da steht auch, welche Seiten du am Anfang wirklich brauchst.
Also: Schnapp dir dein Bullet Journal, zieh 6 Felder und schreib die Hochzeit im Juni rein. Happy Journaling!



