Weiter geht es mit der kleinen Serie über Faux Calligraphy. In diesem Artikel zeige ich dir meine Ideen für Faux Calligraphy Großbuchstaben.

Letzte Woche habe ich den ersten Beitrag zu diesem Thema veröffentlicht. Dabei ging es vor allem darum zu zeigen, wie schnell und einfach du mit dieser Methode des Schreibens beginnen kannst. Zur Veranschaulichung habe ich dort meine kleinen Buchstaben von A-Z gezeigt und in mehreren Schritten die Entwicklung erläutert.

Heute möchte ich nun gerne daran anknüpfen und auch noch das Alphabet mit den Faux Calligraphy Großbuchstaben vorstellen. An der grundlegenden Technik ändert sich zwar nichts, mir selbst hat es aber immer sehr geholfen, verschiedene Schriftbilder zu sehen und meine Buchstaben daran orientieren zu können.

Denn wie schon im ersten Post erwähnt: das Wichtigste ist, dass du dich mit deiner Schrift wohlfühlst. Das wiederum lässt sich aber nur durch häufiges Ausprobieren erreichen. Schreib also am besten das Alphabet zunächst ganz spontan in deiner Schreibschrift auf und überlege dir dann, ob und welche Buchstaben du eventuell verbessern oder anpassen möchtest.

Manche Buchstaben verwendest du vielleicht so häufig, dass du bereits eine gewisse Routine entwickelt hat. Bei mir sind es, gesprägt durch das Bullet Journal, hauptsächlich die Anfangsbuchstaben der Wochentage, also M, D, F und S. Viele andere, wie zum Beispiel das X, Y und Q, benötige ich so selten, dass ich über diese etwas länger nachgedacht habe und sie mir nicht so leicht von der Hand gehen.

Schritt 1: die Buchstaben

Der erste Schritt ist auch hier ganz einfach: du schreibst zunächst einfach deine jeweiligen Großbuchstaben in Schreibschrift auf. Bei den großen Buchstaben ist es aber ganz besonders wichtig, genug Platz in den Schleifen und Häkchen zu lassen, um später die zweite Linie ziehen zu können, ohne dass es zu gequetscht wirkt.

Falls du nicht ganz zufrieden sein solltest mit dem Aussehen deiner Buchstaben, nicht verzagen. Ich glaube, im Endeffekt geht es uns allen immer mal wieder so. Ich habe zum Beispiel immer noch nicht die perfekte Lösung für mein F/T und das E gefunden und bin nicht wirklich glücklich damit. Aber wegen solcher Kleinigkeiten solltest du dich nicht entmutigen lassen, sondern einfach weiter machen und dabei vielleicht immer mal wieder neue Varianten ausprobieren.

Deine Handschrift kannst du als einen Prozess ansehen, wenn du sie trainierst, wird sie sich immer weiter entwickeln. Auf dem nächsten Bild siehst du nun als Inspiration mein aktuelles Alphabet in einfacher Schreibschrift.

Bullet Journal Faux Calligraphy Großbuchstaben Schritt 1

Schritt 2: die zweite Linie

Hast du dein Buchstaben fertig aufgeschrieben, geht es weiter mit Schritt 2. Ich würde dabei grundsätzlich empfehlen, wirklich zuerst dein komplettes Wort beziehungsweise den vollständigen Text niederzuschreiben, bevor du dich an das weitere Vorgehen machst.

Es hilft mir immer sehr, die Größe aller Buchstaben in Relation zueinander zu sehen. Dann kann ich die zweite Linie entweder innerhalb oder außerhalb der bereits existierenden Striche ziehen, je nachdem ob ich den einzelnen Buchstaben verkleinern oder vergrößern möchte.

Denn das ist nun der nächste Schritt: für die Faux Calligraphy Großbuchstaben gehst du nun Buchstabe für Buchstabe durch und fügst neben jeder Linie, bei der du den Stift in einer Abwärtsbewegung geführt hast, einen weiteren Strich hinzu.

Dabei kannst du nun nicht nur die Größe je nach Platzierung der Linie anpassen, sondern auch den Winkel der einzelnen Buchstaben. Sind zum Beispiel die Meisten eher nach links geneigt und nur ein oder zwei Buchstaben eher nach rechts, kannst du diese mit Hilfe der doppelten Linienführung etwas ummodellieren.

Die Schrift wirkt oft schöner und ansprechender, wenn die Buchstaben ein einheitliches Gesamtbild ergeben.

Bullet Journal Faux Calligraphy Großbuchstaben Schritt 2

Wie du auf dem Bild vielleicht erkannt hast, habe ich dir nun in den letzten Absätzen zwar die Regeln der Faux Calligraphy erklärt, halte mich aber selbst nicht immer zu 100% daran. Bestes Beispiel dafür ist mein K. Streng genommen müsste auch die obere Hälfte des rechten Bogens mit einer doppelten Linie ausgestattet sein. Meistens verzichte ich jedoch darauf, aus rein ästhetischen Gründen. Ich finde, der Buchstabe wirkt dadurch einfach zu massiv und verliert alles Filigrane.

Du siehst also: auch hier sind die Regeln dafür da, um gebrochen zu werden :) Erlaubt ist, was dir gefällt.

Schritt 3: die fertigen Faux Calligraphy Großbuchstaben

Wenn du nun die Umrisse der einzelnen Buchstaben fertiggestellt hast, kommt der Part, der ein wenig Zeit kostet: das Ausmalen. Dafür füllst du einfach mit deinem Stift die Zwischenräume der beiden Linien aus.

Anschließend kannst du zusätzlich noch kleinere Korrekturen vornehmen. Manchmal kann es vorkommen, dass einige Rundungen etwas zu eckig oder einzelne Striche zu kurz geraten sind. Alles, was dich im Gesamtbild stört oder dir noch nicht gefällt, kannst du im letzten Schritt nach deinen Wünschen anpassen.

Ich habe zum Beispiel noch die kleinen Häkchen des Vs und des Xs etwas verdichtet, so wirken die Buchstaben homogener.

Bullet Journal Faux Calligraphy Großbuchstaben Schritt 3

Das war es nun auch schon wieder mit den Tipps bezüglich der Faux Calligraphy Großbuchstaben. Deiner Kreativität sind aber auch hier wie immer keine Grenzen gesetzt.

Dauert das nicht alles sehr lange?

Falls du dich nun fragen solltest, ob das alles nicht ziemlich viel Zeit in Anspruch nimmt, ist die Antwort ein klares Ja. Um wirklich saubere Letterings hinzubekommen brauchst du Übung, Übung und Geduld. Auch wenn das Grundprinzip denkbar einfach ist und du sofort starten kannst, wirst du es nicht von heute auf morgen perfekt beherrschen.

Für mich ist es jedoch in keiner Hinsicht Zeitverschwendung, sondern hat sich eher zum Gegenteil entwickelt.

Zum einen erfreue ich mich jeden Tag an den Schriftzügen in meinem Bullet Journal und den Sprüchen und Zitaten, die meine Seiten schmücken. Ich gucke sie mir gerne an und es bereitet mir doppelt Freude meine Listen auszufüllen, wenn ich sie für mich schön gestaltet habe.

Zum anderen tut es mir gut, ein wenig von all den digitalen Reizen wegzukommen und Zeit mit meinem analogen Stift und Papier zu verbringen. Es hat fast etwas meditatives und hilft mir, auch mal abzuschalten. Ich merke auch, dass meine Schriften in Faux Calligraphy deutlich schlechter werden, wenn ich abgelenkt bin oder andere Dinge im Kopf habe. Nimm dir also am besten wirklich Zeit dafür.

Ein weiterer schöner Nebeneffekt ist, dass die Anwendungsmöglichkeiten selbstverständlich nicht auf das Bullet Journal beschränkt sind. Ich gestalte mittlerweile viele Karten zu diversen Anlässen damit und habe somit auch immer direkt etwas Persönliches zu verschenken.

Ich hoffe, ich konnte dich nun vollends von dieser Technik überzeugen :) Hast du sie vielleicht schon ausprobiert? Wie gefällt dir das Ergebnis? Für welche Anlässe nutzt du Faux Calligraphy hauptsächlich? Lass es mich gerne in den Kommentaren wissen!