Noch vor einem Jahr habe ich gar nicht gewusst, was überhaupt ein Bullet Journal ist.

Es war im November letzten Jahres, als ich eine Kollegin nach einem Termin fragte, sie ein Büchlein aus ihrer Tasche nahm, es aufschlug und ich sehr irritiert war. Ich hatte nämlich zu meinem Erstaunen gesehen, dass es kein regulärer Kalender war – die Seiten waren mit kleinen regelmäßigen Punkten versehen und es gab eine andere Anordnung, die in ihrer eigenen Handschrift gestaltet war.

Meine Kollegin erklärte mir kurz, dass dies ein sogenanntes Bullet Journal sei und was die Vorteile eines solches Journal seien.

Dieser Artikel ist ein Gastartikel von Sandra. Sie ist 51 Jahre alt, lebt in Hamburg und ist Museums- und Gedenkstättenpädagogin mit Herz und Seele. Sie ist reiselustig, kommunikativ und aufgeschlossen für Neues. Sie liebt Krimis, Kochbücher und ihre beiden Katzen Ben & Jerry!

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Warum mich das Bullet Journal direkt gepackt hat

Ein selbstgemachter Kalender, in dem nicht nur Termine, sondern auch To-Do Listen eingetragen werden können? Allein diesen Aspekt fand ich schon sehr passend für mich – bin ich es doch, die seit Jahren kleine Bücher mit sich herumträgt: „Aufgaben und Einkaufslisten“, „Ideenliste für Geschenke“, „Ausstellungen, die ich unbedingt noch besichtigen möchte“.

Außerdem benutzte ich seit Jahren einen Filofax, der aber jedes Jahr im Lauf der Monate immer unübersichtlicher wurde.

Ich bin freiberufliche Museumspädagogin, arbeite in mehreren Museen und habe zusätzlich einen festen 20 Stunden Job mit Dienstplänen.

Bis zum Frühling waren die Seiten noch schön übersichtlich, aufgrund von Stornierungen, neuen Buchungen und Dienstwechseln musste ich immer mehr durchstreichen, überschreiben und für private Notizen fand ich kaum mehr einen Platz.

Meine Neugierde war also geweckt, ich recherchierte im Internet und fand sehr rasch Fotos von wunderbar gezeichneten Journalen.

Ich sah mir außerdem kurze Videos an und in meiner Buchhandlung gab es wochenlang einen eigenen Tisch zum Thema Bullet Journal – perfekt für mich, die ich nicht vorwiegend im Internet unterwegs bin ;-)

Meine ersten Schritte

Noch vor Weihnachten war mir klar, dass ich dies auf jeden Fall ausprobieren wollte, ich kaufte mir das Buch „Mein Bullet Diary selbstgemacht“ von Nathalie Güllü, ein hellblaues Bullet Journal von Leuchtturm 1917, vier Pitt artist pen in S von Faber-Castell, einen Bleistift in der Härte 2B, außerdem holte ich mein Geodreieck und einen Radierer aus meinem Schreibtisch und dann ging es exakt am 1. Januar 2019 los!

Natürlich hatte ich mir davor Gedanken gemacht, was genau ich brauchte und was mir wichtig wäre.

Nichtsdestoweniger habe ich mich zuerst stark an das Buch von Natalie Güllü gehalten und begann so mit einem Future Log, dessen Notwendigkeit sich mir am Anfang aber gar nicht mal so sehr erschloss – jetzt sind diese drei Doppelseiten eine der wichtigsten Komponenten meines BuJo.

Hier trage ich alle Termine ein, die ich bereits habe und ich nutze den Future Log auch für Veranstaltungen, von denen ich zwar die Monate weiß, aber die genauen Tage noch nicht geklärt sind – sowohl beruflicher – zum Beispiel Studientage oder Stadtrundgänge, als auch privater Art, wie Keramikmärkte oder Filmfestivals.

Neben den regulären Einteilungen eines Bullet Journals, wie Future Log, Monats- und Wochenplanung habe ich eine Quartalsplanung eingefügt, da in meinem festen Job Dienste immer quartalsmäßig geplant werden.

Zuerst waren es ausschließlich Termine, die ich eintrug. Mit der Zeit begann ich die leeren Seiten auch für Wünsche und Ziele zu nutzen, tatsächlich hatte ich die letzten Jahre nach meiner Trennung so viel gearbeitet, dass ich kaum mehr Zeit für schöne, positive Erlebnisse gefunden hatte.

Lebensgestaltung mithilfe des Bullet Journals

Das wollte ich dieses Jahr unbedingt ändern, aber wie?! Diese ersten Stunden des Jahres dienten also nicht nur der Gestaltung eines Buches mit Daten und Aufgaben, sondern auch mit der Fragestellung:

Was mache ich gerne? Was macht mir Freude? Was brauche ich, Sandra, um wieder ein ausgeglichenes Leben zu führen und nicht nur zu arbeiten?!

Das Ergebnis dieser ruhigen Momente wurden die Doppelseiten „Hello 2019 – Was möchte ich umsetzen“ mit konkreten Zielen.

Da ich so wahnsinnig gerne unterwegs bin, fand ich eine Doppelseite mit „Da will ich hin – Ausflüge und Reisen 2019“ nur logisch, des weiteren lade ich gerne Freunde zum Kochen und Essen ein, also endlich auch eine Seite für Ideen für Speisen und Menüs.

Bei all den mit Terminen vollgepackten Tagen hatte mir die Idee, jeden Tag etwas Besonderes zu notieren, sofort gefallen.

Diese Doppelseite mit meinen täglichen Highlights, die ich bisher jedes Monat unterschiedlich betitelt habe, gehören heute zu meinen wichtigsten Ritualen: Abends in Ruhe den Tag nochmals Revue passieren zu lassen, etwas Schönes davon zu Papier zu bringen und es zeigt sich, dass wirklich jeder Tag etwas Besonderes hat!

Stück für Stück zu mehr Kreativität

All diese Gedanken und Ideen spukten sozusagen schon in meinem Gehirn, nun wollte ich es noch „schön“ auf Papier bringen, aber wirklich zeichnen – das wusste ich – das kann ich nicht. Ich ertappte mich beim Ansehen von in Aquarell oder mit Filzstiften gezeichneten Bullet Journals im Internet sogar, dass mich diese Kunstwerke eher frustrierten.

Vorlagen ausdrucken und abpausen wollte ich aber auch nicht – was also tun? Und auch hier orientierte ich mich erstmal an Natalie: Bleistiftlinien, Titel in besonderen Schriften und ab und zu eine Girlande oder ein Banner.

Mit der Zeit wurde ich mutiger und experimentierte mit Schriftarten, Farben und sogar kleinen Zeichnungen, wie dem Feuerwerkskörper im Monatsüberblick Januar oder der Kaffeetasse im März.

Wenn Bullet Journaling meditative Züge annimmt…

Und womit ich überhaupt nicht gerechnet hatte, war, dass ich mit dieser Fokussierung auf die praktische Gestaltung (reicht der Platz für die Tage? Oder macht es für mich Sinn, die täglichen Highlights in der Mitte des Monats zu platzieren?) und optische Verschönerung der Seiten ganz ruhig und entspannt wurde.

Ich, die ich nun seit Jahren nach etwas gesucht hatte, was mich abends „runter kommen lässt“, die ich es mit Handarbeiten, Pilates und anderem probiert hatte – fand mich nun mit Stiften, Geodreieck, Radierer und dem Abzählen von Punkten, Linien ziehen zur Ruhe kommend, ich empfinde es fast als meditativ!

Und ich erinnerte mich daran, dass ich als junges Mädchen Kalligraphie erlernt hatte. Da war sie wieder: meine Liebe zum geschriebenen Wort.

Die vielen schönen Karten mit wunderbaren Zitaten und Gedichten, die ich im Laufe der Jahre immer wieder erstanden hatte, nun warten sie in einem Ordner, um für die nächsten Monate ausgewählt und von mir nieder geschrieben zu werden!

Was Bullet Journaling für mich bedeutet

Das ist es, was für mich mein erstes BuJo ausmacht:

Ich habe das Gefühl, dass ich nicht nur mein Jahr Termin- und Aufgabenmäßig plane und notiere, sondern ich gestalte mein Jahr – mit allem, nicht nur Must’s, sondern auch Wünschen, Vorhaben und Glücksmomenten.

Noch ist mein BuJo bunt und mit sichtbaren Bleistiftlinien, nächstes Jahr werden es vielleicht nur Schattierungen von Blau werden, meiner absoluten Lieblingsfarbe.

Aber für mich ist dieses erste Buch bereits wunderschön, denn ich habe es gestaltet, ich habe damit eine Möglichkeit gefunden, auch wieder kreativ zu sein und ich erfreue mich an meinen Schriften und kleinen Zeichnungen und an der Tatsache, dass ich tatsächlich das meiste, was ich für die vergangenen Wochen notiert hatte, auch umgesetzt habe!

Wie hat sich dein Bullet Journal im Laufe der Zeit weiterentwickelt? Schreib es gerne in die Kommentare!