Was ist ein Bullet Journal? Alles, was du am Anfang wissen willst
Was ist ein Bullet Journal eigentlich? Hier liest du, was dahintersteckt, was es alles kann, für wen es sich eignet und was du zum Start brauchst.
Vielleicht ist dir der Begriff “Bullet Journal” mal auf Pinterest über den Weg gelaufen, zwischen lauter fein beschrifteten oder bunt bemalten Notizbuchseiten. Oder eine Freundin hat erzählt, dass sie jetzt ein Bullet Journal führt, und du hast genickt, ohne so richtig zu wissen, was das sein soll.
Was ist ein Bullet Journal?
Ein Bullet Journal ist ein leeres, meist punktkariertes Notizbuch, in dem du dir dein eigenes Ordnungssystem aufbaust: Kalender, To-do-Listen, Sammlungen und Platz zum Journaling, alles an einem Ort. Entwickelt hat es der Produktdesigner Ryder Carroll. Du notierst in kurzen Stichpunkten (das ist das sog. Rapid Logging) und legst nur die Seiten an, die du wirklich brauchst.
Der Name kommt von den Bullets, also den Stichpunkten, mit denen du Aufgaben und Notizen festhältst. Dahinter steckt ein durchdachtes System aus ein paar Symbolen und wiederkehrenden Seiten. Wie das im Detail funktioniert, habe ich in einem eigenen Artikel über die Bullet-Journal-Methode aufgeschrieben.
Das Kernsystem nach Ryder Carroll sieht kurz gesagt vier Bestandteile vor: Index (als Inhaltsverzeichnis, das sich mit der Zeit füllt), Future Log (für alles, was in der Zukunft liegt), Monatsübersicht und Tagesplanung.
Das Entscheidende für den Anfang: Du musst nicht alles davon übernehmen. Eigentlich musst du genau gar nichts! Du nimmst die Bausteine, die dir helfen, und lässt den Rest liegen. Auch wie du die einzelnen Bestandteile gestalten möchtest, ist völlig dir überlassen. Deshalb sieht kein Bullet Journal aus wie das nächste.
Auf Deutsch hat sich nie eine eigene Übersetzung durchgesetzt. Wörtlich wäre es ein Stichpunkt-Tagebuch, was so charmant klingt, wie es aussieht. 😅 In der deutschsprachigen Community heißt es deshalb schlicht Bullet Journal oder kurz BuJo.
Was ist der Sinn eines Bullet Journals?
Der Sinn ist, alles an einem Ort zu haben und dabei selbst zu bestimmen, wie dieser Ort aussieht. Termine, Aufgaben und Gedanken wandern aus deinem Kopf aufs Papier, wo du sie sortieren kannst, statt sie mit dir herumzutragen.
Das klingt banal, macht im Alltag aber einen Unterschied. Ein gedruckter Planer entscheidet für dich, wie viel Platz der Dienstag bekommt. Dein Bullet Journal lässt dir dafür so viel Raum, wie du eben benötigst – deswegen plant man im BuJo übrigens auch nicht viel im Voraus, sondern legt für jeden Tag einfach eine frische Seite an.
Dazu kommt ein Effekt, den man schlecht messen kann: Du legst jede Seite selbst an und denkst beim Schreiben kurz darüber nach, was du dir da vornimmst. Das bringt sehr viel Bewusstsein und Intention rein. Für mich ist das der eigentliche Gewinn, mehr noch als die Ordnung.
Der kreative Teil am Bullet Journaling ist übrigens auch toll (wenn du da Spaß dran hast): So kannst du die Zeit richtig für dich nutzen, um dich auf eine simple Weise kreativ auszuleben :)
Wer hat sich das ausgedacht?
Ryder Carroll ist Produktdesigner und erzählt selbst offen, dass ihm Konzentration und Überblick nie leichtgefallen sind. Klassische Planer haben bei ihm nicht funktioniert, also hat er sich über Jahre ein eigenes System zusammengebaut, das mit ein paar Symbolen und einem zu Beginn ganz leeren Notizbuch auskommt.
2013 stellte er es online, und von da an verbreitete sich das System rasant. 2018 kam sein Buch “Die Bullet Journal Methode” dazu, in dem er die Hintergründe erklärt: warum Handschrift beim Sortieren hilft und warum das regelmäßige Aussortieren wichtiger ist als jede schöne Seite. Falls dich das interessiert, habe ich hier eine ausführliche Review zum Buch geschrieben.
Um anzufangen, musst du das Buch übrigens nicht lesen (obwohl ich es dir sehr empfehlen kann). Als ich 2016 mein erstes BuJo gestartet hab, gab es das Buch ja noch gar nicht, und es hat trotzdem wunderbar funktioniert!
Was gehört alles in ein Bullet Journal?
Hinein kommt, was du brauchst. Das ist eigentlich die wichtigste Regel, die du dir merken kannst.
In fast jedem Bullet Journal findest du aber 4 Bausteine wieder: eine Monatsübersicht, eine Wochen- und/oder Tagesplanung, ein paar Tracker und Sammlungen. Dazu kommen zwei weitere Seiten aus der Methode: der Index ganz vorne und der Future Log fürs kommende Jahr.
Lass uns die vier einmal einzeln durchgehen.
Die Monatsübersicht. Dein Monat auf einer Seite, mit allem, was in ihm ansteht. Geburtstage, Arzttermine, das Wochenende bei den Eltern. Für viele ersetzt diese eine Seite den kompletten Papierkalender.
Die Wochen- oder Tagesplanung. Hier landet, was in der Woche oder eben am heutigen Tag ansteht. Aufgaben, Termine, kleine Notizen dazwischen… Die Seite entsteht erst, wenn die Woche vor dir liegt. Deshalb bekommt sie genau so viel Platz, wie sie braucht – ich handhabe es meist so, dass ich eine Doppelseite für die Wochenübersicht nutze und daran anschließend Tag für Tag die Tagesübersichten erstelle.
Tracker. Mit einem Tracker verfolgst du, was dir gerade wichtig ist: Wie oft war ich diesen Monat draußen, wie viel habe ich getrunken, wie ging es mir an den einzelnen Tagen? Am Monatsende liegt ein ganzes Muster vor dir, und das erzählt oft mehr als deine Erinnerung an den Monat. Wie bspw. ein Habit Tracker im Detail aussieht, habe ich separat aufgeschrieben.
Sammlungen. Alles, was keine Termine hat, aber trotzdem einen Ort braucht, zum Beispiel:
- Bücher, die du lesen willst
- Rezepte, die geklappt haben
- die Packliste, die du dir nicht jedes Mal neu ausdenken möchtest
- eine Seite, auf der du abends 3 Sätze über deinen Tag schreibst (im Grunde ein kleines Tagebuch)
- …oder was dir sonst noch einfällt!
Diese vier Bestandteile sind nur der Anfang. Wenn du sehen willst, was sonst noch geht, findest du in meiner Masterliste mit Bullet-Journal-Ideen jede Menge Seiten zum Nachbauen. Und falls du die Monatsübersicht lieber ausdruckst, als sie zu zeichnen: In meiner Vorlagen-Bibliothek liegt jeden Monat eine fertige, kostenlos.
Für wen eignet sich ein Bullet Journal?
Am meisten profitieren Menschen von einem Bullet Journal, deren Kopf ständig zu voll ist. Wenn du Termine, Aufgaben, Einkaufslisten und dazu noch das diffuse Gefühl mit dir herumträgst, irgendetwas vergessen zu haben, dann ist so ein Notizbuch in BuJo-Form ein sehr guter Ablageort.
Genauso gut funktioniert es, wenn du dir einen analogen Gegenpol zum Bildschirm wünschst. Eine Viertelstunde am Küchentisch, Kaffee daneben, Stift in der Hand, fühlt sich anders an als dieselbe Zeit in einer App, und für viele ist genau das der eigentliche Reiz :)
Und es eignet sich, wenn dein Leben sich oft ändert. Was im Frühjahr noch als Tracker gepasst hat, legst du im Herbst einfach anders an, ohne dafür ein neues Notizbuch zu kaufen.
Wie unterschiedlich das aussehen kann, merkst du schnell. Die eine hat einen Vollzeitjob und einen Kopf, der abends um 10 immer noch rattert. Sie schreibt die Liste aufs Papier, bevor das Licht ausgeht, und erst danach kann sie schlafen. Für sie ist das Journal weniger Planer als Ritual.
Die nächste schreibt fast nur zum Reflektieren. Und wieder eine andere braucht eine Stelle, an der die vier Kalender im Haushalt zusammenlaufen. Alle nutzen dasselbe System, und die Notizbücher sehen trotzdem völlig unterschiedlich aus – genauso soll es sein.
Für wen ist das Bullet Journal eher nicht geeignet?
Ich würde selten (bis nie) komplett von einem Bullet Journal abraten. Manchmal bietet es sich aber an, das Analoge mit dem Digitalen zu verknüpfen: Wenn du z.B. beruflich (oder in der Familie) viele Termine mit anderen teilst und auf Erinnerungen angewiesen bist, wirst du deinen digitalen Kalender nicht ersetzen wollen. Viele führen deshalb beides parallel, und das kann sehr gut funktionieren.
Wenn du außerdem merkst, dass Schreiben mit der Hand dich eher nervt als beruhigt, dann bring dir das nicht mit Gewalt bei. Bei mir haben auch schon Methoden nicht funktioniert, mit denen andere seit Jahren glücklich sind.
Nicht jede Methode passt zu jedem Kopf!
Was brauchst du zum Anfangen?
Ein Notizbuch und einen Stift. Das ist die vollständige Liste :)
Punktkarierte Notizbücher sind beliebt, weil die Punkte beim Zeichnen von Kästchen und Linien helfen, ohne dass die Seite später wie kariertes Schulheftpapier aussieht. Nötig ist das an sich aber nicht.
Das erste Bullet Journal darf auch gerne ein angefangenes Heft aus der Schublade sein (wir haben doch alle irgendwo noch eins rumliegen…), gerade weil dir dann egal ist, wie die ersten Seiten werden – anders als wenn du direkt Geld für ein neues Notizbuch ausgibst.
Beim Stift gilt dasselbe. Nimm den, der gerade in deiner Tasche steckt. Ob die Tinte durchdrückt oder wie fein die Linie wird, merkst du nach 2 Wochen von selbst, und dann kaufst du gezielt nach, wenn dich was stört.
Was du ausdrücklich nicht brauchst: eine schöne Handschrift, Zeichentalent, Brushpens in 18 Farben oder Washi Tape. :) Die Bullet Journals, die du auf Pinterest siehst, sind Hobbys für sich, oft stundenlange Kunstprojekte von Leuten, die das Gestalten selbst als Entspannung erleben. Mit der Methode dahinter hat das erstmal wenig zu tun.
Falls dich dieser Vergleich trotzdem hemmt, lies gern meinen Artikel darüber, warum dein Bullet Journal nicht perfekt sein muss. Da geht es genau um diese Hürde.
3 Sätze, die dich vielleicht noch bremsen
Vielleicht kennst du einen davon, gerade wenn du merkst, dass du schon Lust hättest, jetzt dein erstes Bullet Journal zu starten:
Muss das schön aussehen?
Nein. Mein eigenes Journal ist über die Jahre immer minimalistischer geworden, schwarzer Stift auf weißem Papier, mehr nicht. Ich habe schlicht gemerkt, dass ich die aufwendigen Seiten seltener benutze als die schlichten.
Schön gestalten darfst du trotzdem, wenn dir das Freude macht. Das kommt oben drauf, gehört aber nicht dazu.
Dauert das nicht ewig?
Ich schätze, bei mir gehen pro Tag 5 bis 10 Minuten in mein Bullet Journal. Abends kurz durchschauen, was heute liegengeblieben ist, den nächsten Tag notieren, fertig. Einmal im Monat kommt eine etwas längere Session dazu, wenn ich die neue Monatsübersicht anlege.
Die stundenlangen Sessions, die du in Videos siehst, sind kreative Freizeit. Wer die Zeit nicht hat, lässt sie weg und verliert dabei nichts vom System!
Und wenn ich zu chaotisch dafür bin?
Dann bist du vermutlich genau die Zielgruppe. Ryder Carroll hat sich das System ausgedacht, weil ihm Organisation schwerfiel. Ein Bullet Journal verlangt keine Disziplin im Voraus, es gibt dir nur einen festen Ort für all das, was sonst im Kopf herumfliegt.
Und wenn du 3 Wochen nicht reinschreibst, schlägst du es danach wieder auf und machst weiter. Es gibt kein vorgedrucktes Datum, das dich anschaut und dir sagt, dass du versagt hast.
Wie fängst du mit einem Bullet Journal an?
Du schlägst dein Notizbuch auf, schreibst das heutige Datum auf die erste Seite und notierst darunter, was heute ansteht. Alles andere kommt dazu, sobald du es brauchst. Durch die erste Einrichtung führt dich meine Anleitung zum Bullet-Journal-Start in 4 Schritten.
Fang mit einer Seite an
Ein Bullet Journal ist am Ende nichts Magisches – am Ende aber irgendwie doch: ein leeres Notizbuch, ein simples System und die Entscheidung, dir deinen Überblick selbst zu bauen, statt ihn zu kaufen. Was daraus wird, entscheidest du unterwegs, und du darfst es jederzeit wieder ändern :)
Anfangen heißt: Notizbuch aufschlagen, erste Seite schreiben. Mehr Vorbereitung braucht es nicht. Und falls dich die leere Seite doch bremst: In meiner kostenlosen Vorlagen-Bibliothek liegt jeden Monat eine fertige Monatsübersicht zum Ausdrucken.
Schnapp dir dein Notizbuch und leg einfach mal los. Happy Journaling!




